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LG Hannover weist Klage eines Anlegers wegen angeblicher Falschberatung ab


Anlageberatung: Das Landgericht Hannover hat die Klage eines Anlegers wegen angeblicher Falschberatung ohne Beweisaufnahme abgewiesen, da aufgrund des verwendeten Beratungsprotokolls sämtliche relevanten Vorwürfe jedenfalls als verjährt angesehen werden müssen.

Der in Kapitalanlagegeschäften nicht unerfahrene Kläger hatte vorgebracht, eine Empfehlung für seine Altersvorsorge gesucht zu haben, woraufhin der Berater des beklagten Instituts ihm zu einer Beteiligung an einem Schiffsfonds geraten hätte. Die mit der Beteiligung verbundenen Risiken seien ihm nicht mitgeteilt worden. Auf dem vom Kläger unterzeichneten Beratungsprotokoll der Beklagten waren hingegen eine spekulative Anlagestrategie und das Ziel, das klägerische Vermögen inflationsgeschützt zu diversifizieren vermerkt. Außerdem waren auf dem Beratungsprotokoll allgemeine Risiken von geschlossenen Fonds (bis zum Totalverlust) sowie die besonderen Risiken des Schiffsfonds auf 1/3 DIN A4-Seite abgedruckt. Dem 2011 gezeichneten Schiffsfonds lag ein antizyklisches Investitionskonzept zu Grunde, das insbesondere auf der Annahme aufbaute, dass sich die Charterraten nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder auf dem Niveau des langjährigen Mittels einpendeln würden.

Das Landgericht wies die Klage ohne Beweisaufnahme ab. Der streitige Sachverhalt zu Prospektübergabe und der mündlichen Beratung war zur Überzeugung der Kammer nicht mehr erheblich, da etwaige Schadensersatzansprüche des Klägers jedenfalls kenntnisunabhängig verjährt seien. Bereits aus dem vom Kläger unterzeichneten Beratungsprotokoll sei ohne weiteres zu erkennen gewesen, dass mit der Anlage nicht unerhebliche Risiken verbunden waren. Danach musste sich dem Kläger aufdrängen, dass es sich nicht um eine sichere, risikolose Anlage handeln könne. Bezüglich aller aufklärungspflichtiger Risiken – sämtlich auf dem Beratungsprotokoll aufgeführt – war damit ebenso mindestens grob fahrlässige Unkenntnis anzunehmen wie hinsichtlich des Vorwurfes nicht anlegergerechter Beratung, da dem Kläger hätte einleuchten müssen, dass eine Kapitalanlage mit Totalverlustrisiko seinem – behaupteten – Bedürfnis nach Sicherheit nicht entsprechen konnte. Auch mit dem Vorwurf, das Fondskonzept sei nicht plausibel, konnte der Kläger nicht durchdringen, da zur Überzeugung der Kammer belastbare Tatsachen die dem Konzept zu Grunde liegenden Prognosen stützten (LG Hannover, Urteil vom 22.03.2017, Az. 8 O 110/15).


Dr. Cornelius Held
Rechtsanwalt


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