Anlageberater haften nicht aufgrund der Insolvenz der Containergesellschaft P&R

 

Der Finanzdienstleister und Seecontaineranbieter P&R hat am 19.03.2018 beim Amtsgericht München Insolvenz angemeldet. Damit droht ein Ausfall des investierten Kapitals. Zwar können Anlageberater nichts für die Insolvenz von P&R, im Gegensatz zu P&R sind sie für die Anleger aber weiter greifbar. Nur haftet der Anlageberater nicht für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg der empfohlenen Anlage.

 

Das Geschäftsmodell von P&R sah im Wesentlichen ein Direktinvestment in den Erwerb neuer oder gebrauchter Container vor, welche sodann von den Anlegern – als neue Eigentümer der Container – zu einem festgelegten Preis mit der Option auf einen Rückkauf an die P&R vermietet wurden. Die P&R ihrerseits vermietete die Container an das Transportgewerbe und zahlte den Anlegern die vertraglich vereinbarte Miete.

 

Dieses Konzept des Direktinvestment ist bereits lange am Markt vertreten und hat erstmals 2016 mit der Insolvenz des Anbieters "Magellan" einen Dämpfer erhalten.

 

Damals wie heute ist die Versuchung enttäuschter Anleger groß, einen (solventen) Schuldigen oder zumindest Schuldner zu finden. Hierbei richten Anleger häufig den Fokus auf den Berater oder Vermittler der Kapitalanlage.

 

Bereits jetzt werben viele sog. Anlegerschutzkanzleien um die Gunst der Anleger. Diese suggerieren die Notwendigkeit, "aktiv" zu werden und prüfen gerne vermeintliche Ansprüche gegen den weiter als Partner des damaligen Beratungsvertrages zur Verfügung stehenden Berater.

 

Das Risiko, dass sich eine Anlageentscheidung im Nachhinein als unglücklich oder falsch erweist, trägt der Anleger. Der Berater schuldet lediglich im Rahmen des Beratungsvertrages und gemessen an dem Wissensstand, der Risikobereitschaft und den Anlagezielen des Kunden eine anleger- und objektgerechte Beratung. Die Empfehlung muss dabei lediglich vertretbar sein. Das Insolvenz- oder Vertragserfüllungsrisiko dürfte dabei nicht automatisch ein aufklärungsbedürftiger Umstand sein, da den meisten Anlegern allgemeine Risiken des Wirtschaftslebens bekannt sind. Jeder weiß, dass Gesellschaften wie P&R oder auch Privatpersonen zahlungsunfähig werden können. Aus diesem Grund behaupten selbsternannte Verbraucherschutzkanzleien regelmäßig – und oftmals vollkommen losgelöst vom Einzelfall – alle denkbaren vermeintlichen Beratungsfehler. Die häufigsten genannten Stichwörter sind sichere Altersvorsorge, Fungibilität, Totalverlust- und Währungsrisiken, angeblich fehlende Plausibilität der Anlage oder das Provisionsinteresse des Beraters.

 

Als betroffener Berater sollte man sich hiervon jedoch keinesfalls einschüchtern lassen. Wie die Erfahrung zeigt, sind die Vorwürfe oftmals aus der Luft gegriffen. Die Darlegungs- und Beweislast für die behaupteten Pflichtverletzungen tragen die Anleger.

 

Betroffene Berater sollten – bevor sie auf entsprechende Anschreiben reagieren – anwaltlichen Rat einholen.

Rechtsanwalt Dr. Norbert Gieseler
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